Wieso sind unsere Führungskräfte so unselbständig?
Symptom
Die Frage im Titel höre ich ab und zu von CEOs.
Ich frage zurück: „Was meinen Sie damit?“
CEO: „Die Führung zögert, sichert sich ab, macht nicht vorwärts!“
Ich: „Und was tun Sie dann?“
CEO: „Dann mache ich es eben selbst!“
CEO dieser Art treffen auch Entscheidungen, bevor die Frage im Raum zu Ende gestellt ist. Wenn ein Projekt stockt, reagieren sie, wie sie es immer tun: Sie ziehen die Zügel an. Mehr Präsenz, mehr Dominanz, mehr Druck. Kurzfristig bewegt sich etwas. Der Preis: Das Team wird spürbar vorsichtiger, reaktiver.
Psychologischer Hintergrund
Das beklagte Problem löst man durch das eigene Handeln aus: Wenn der Chef die Zügel sowieso an sich reissen wird, wartet man eben ab, bis er sagt, was er will. Das ist keine Bequemlichkeit — es ist die logische Reaktion auf ein System, in dem Initiative sich nicht auszahlt.
Das Muster ist schwierig zu knacken. Denn der unmittelbar sichtbare Erfolg bestätigt sie in ihrem Handeln. Und er nährt ihren Selbstwert: Es geht sofort vorwärts – „kann doch nicht so schwierig sein!“
Dummerweise torpediert dasselbe Muster die Hauptaufgabe eines jeden CEO: Menschen zu entwickeln, damit diese Selbstwirksamer werden.
Gegenmittel
Sie kennen den Impuls gut, die Zügel zu übernehmen. Sobald er das nächste mal kommt, halten sie kurz Inne und Fragen Sie sich: „Was ist das Schlimmste, das passiert, wenn ich jetzt nicht handle?“ Ist die Antwort aushaltbar – Aushalten!
Share This:
